Internationaler Tag der Menschenrechte – alter Hut oder brandheißes Thema?

Der Internationale Tag der Menschenrechte ist ein Gedenktag, der uns an die Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 erinnert. Ist es überhaupt notwendig, uns an die Menschenrechte zu erinnern oder können wir uns beruhigt zurücklehnen?

Anna Völkl

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wird von allen 193 Ländern, die den Vereinten Nationen angehören, anerkannt. Dennoch passieren tagtäglich Menschenrechtsverletzungen ohne, dass es vielen von uns bewusst ist.

Österreich und die Menschenrechte

Auch Österreich gehört den Vereinten Nationen an und hat sich darüber hinaus auch in der Bundesverfassung dazu verpflichtet, die Menschenrechte zu sichern.

Auf dem Parlament in Wien befindet sich an prominenter Stelle eine Inschrift mit dem Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Wien-Parlament,Menschenrechte

Wir können uns glücklich schätzen, in einem so friedlichen Land wie Österreich leben zu können, aber auch in Österreich gibt es Menschenrechtsverletzungen. In vielen Ländern der Welt erfolgt die Einhaltung wesentlicher Punkte aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte leider nicht.

Menschenrechtsverletzungen

Im Jahresbericht 2016 von Amnesty International, einer weltweit tätigen nichtstaatlichen (NGO) und Non-Profit-Organisation (NPO) gibt es dazu einige erschreckende Zahlen:

  • In mindestens 113 Ländern ist das Recht auf Meinungsäusserungsfreiheit und die Pressefreiheit eingeschränkt.
  • In 122 Ländern wurden Menschen gefoltert oder anderweitig misshandelt.
  • In mindestens 50% der Länder kam es zu unfairen Gerichtsverfahren. In unfairen Verfahren gibt es keine Gerechtigkeit, weder für die Angeklagten noch für die Opfer oder die Öffentlichkeit.
  • In mindestens 19 Ländern wurden Kriegsverbrechen oder andere Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht verübt.

Die Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht (HVR) ergänzen sich dabei gegenseitig. Das Rote Kreuz ist aber keine klassische „Menschenrechtsorganisation“ – unsere Basis liegt im humanitären Völkerrecht. Während das humanitäre Völkerrecht aber nur bei bewaffneten Konflikten gilt, gelten die Menschenrechte jederzeit. Die Mindestregeln des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte sind allerdings gleich.

Die Verbreitung des HVR und der Menschenrechte

Das Rote Kreuz informiert Jugendliche und Erwachsene über das humanitäre Völkerrecht, denn die Regeln aus dem HVR und Mindestanforderungen der Menschenrechte können auch in unseren Alltag übersetzt werden: Jugendliche, die beispielsweise Opfer von Gewalt oder Mobbing werden, brauchen den Schutz und die Unterstützung von ihren Freunden oder Mitschülern.

Sich für Schwächere einzusetzen – seine Stimme zu erheben, wenn jemandem Unrecht geschieht – all das gehört zur modernen Zivilcourage dazu. Denn nicht nur im Krieg steht der Schutz von Schwachen im Zentrum sondern jeden Tag und überall. Dazu kommt: Umso mehr Menschen über Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht Bescheid wissen, desto sensibler geht unsere Gesellschaft auch mit Menschen um, die von Krieg und Verfolgung betroffen sind.

 

 

 

 

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