Wer hilft uns, wenn uns was passiert?

Ciara ist Schülerin und #getsocial Leserin. Nebenbei arbeitet sie auch noch als Schwimmkurslehrerin und engagiert sich in der Flüchtlingshilfe. Für die heutige Adventkalender-Geschichte hat sie einen Beitrag über ein Thema geschrieben, das ihr sehr am Herzen liegt: Zivilcourage. Wer hilft uns, wenn uns was passiert? weiterlesen

Wer schön sein will, leidet!?

Von zu wenig Selbstbewusstsein, der Frage nach Schönheit und dem virtuellen Mittelfinger.

Sonja Kuba

2016-07-21-PHOTO-00000882Ich bin sechs Jahre alt, mein erster Schultag steht an und meine Mama geht mit mir einkaufen. Ich bekomme mein „Erster-Schultag-Outfit“ und damit auch neue Schuhe. Ich entscheide mich nach kurzer Überlegung gegen die lahmen schwarzen Patschen und für die schicken hellrosa Riemchen-Lackschuhe #totschick. Meine Mutter sieht mich lächelnd an und fragt mich ob ich mir mit meiner Wahl sicher bin und ob die Schuhe nicht vielleicht wehtun? Meine Antwort darauf: Nein, sie sind so schön, die will ich haben.

Jetzt, 21 Jahre später, kann ich behaupten: Der Kampf zwischen Schönheit und Bequemlichkeit setzt sich ein Leben lang fort und macht längst nicht bei Schuhen halt. Einige werden sagen: Schönheit ist und bleibt einfach subjektiv und jeder muss für sich herausfinden wie er gerne aussehen will. Mit Sicherheit. Allerdings kommt man zu dieser Erkenntnis vielleicht irgendwann in seinem Leben, aber sicher nicht wenn man jung ist. Dann wenn das Leben gerade so richtig scheiße ist, weil einem in der Schule jemand Fettsack hinter her schreit, oder man auf Instagram und Co mitverfolgen kann was andere Leute über deine fehlende Oberweite, Zahnspange, Kleidungsstil oder was auch immer mitzuteilen haben.

Ich denke wir wären gerne so liberal um sagen zu können „jeder ist auf seine Weise schön“. Wir möchten gerne glauben, dass wir Karl Lagerfeld scheiße finden, wenn er Dinge sagt wie: Übergewichtige Menschen haben in seinem Umfeld und erst recht in seiner Mode nichts verloren. Wir wollen es abstoßend finden wenn jemand diskriminiert wird weil er nicht einem gängigen Schönheitsideal entspricht. Wir glauben von uns selbst, dass wir Menschen nicht aufgrund ihres Aussehens unterscheiden. All das wollen wir denken, meinen, fühlen, vertreten, aber ganz so leicht ist es dann manchmal doch nicht…

Schönheit – als Maß aller Dinge

Ich habe über vier Jahre lang in einem Business gearbeitet, das man als sehr oberflächlich bezeichnen könnte. Ich hatte mit Models und Prominenten und jenen die mit oder für diese gearbeitet haben zu tun. Nicht immer ganz so einfach für jemanden, der in seinem Leben noch nie in Größe 36 gepasst hat. Aber ich kenne auch das Foto vor und nach Photoshop und ich bin heute sehr dankbar für diese Perspektive. Schönheit ist subjektiv, ich denke da sind sich viele einig und trotzdem erscheint manchmal eine Wolke am blauen Himmel unserer Einigkeit.

Denn wir fallen aus allen Wolken, wenn eine Bloggerin uns schockiert indem sie offenbart, dass ihre Fotos bereits seit Jahren retuschiert sind. Wir sind überrascht, wenn der Erfolg einer Beautymarke darauf beruht, dass sie uns normale Frauenkörper als nicht perfekt präsentieren. Wir finden es unfair, wenn ein soziales Netzwerk wie Facebook damit für Aufruhr sorgt, weil sie Werbung eines Plus-Size-Models untersagen. Und erst recht finden wir es abstoßend wenn ein US-amerikanisches Model, eine nackte Frau im Fitnessstudio fotografiert  und dieses öffentlich postet um sich darüber lustig zu machen.

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Ich frage mich, warum ist das Thema Schönheit vor allem für Frauen von so großer Bedeutung und gleichzeitig eines das so sehr polarisiert obwohl wir uns ja alle einig sind: Schönheit definiert jeder für sich. Vielleicht weil es irgendwie immer noch ums Jagen und Gejagt werden geht und anscheinend nur der schönste Schwan im Teich seinen Seelenverwandten findet? Aber geht es wirklich nur darum, wer den kürzesten Rock in der Nachtschicht (sorry gibt’s nicht mehr 🙂 ) trägt und damit die vermeintlich größten Chancen hat Jemanden abzukriegen? Hängt alles wirklich nur daran?

Wohl kaum. Frauen stehen heute oft unter einem noch größeren Druck also „nur“ einem Schönheitsideal zu entsprechen. Immerhin geht es nicht nur darum, eine schöne Erscheinung zu sein und als solche wahrgenommen zu werden. Genauso viel Wert wird darauf gelegt etwas im Kopf zu haben und sich als starke Frau zu behaupten. Trotzdem sollte man sich unterordnen und in eine klassisch weibliche Rolle schlüpfen können. Wir sollen auf die Gesellschaft pfeifen, aber trotzdem ein Teil von ihr sein. Ungefähr so wie ein Tofu-Schnitzel, das aber bitte so schmecken soll wie ein echtes.

Unsere globalisierte Welt und die offene und real-time Kommunikation über soziale Netzwerke macht es im Alltag auch nicht unbedingt einfacher sich selbst treu zu bleiben. Wenn jeder Pickel auf einem Gesicht innerhalb einer Sekunde mit Leuten in Japan, Mexiko und Grönland geteilt werden kann. Wenn Mobbing nicht mehr nur an Schulhöfen stattfindet (schlimm genug), sondern durch den geschützten Rahmen namens Internet noch viel mehr Menschen dazu verleitet. Dann frage ich mich ob junge Menschen überhaupt noch die Möglichkeit dazu haben ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen und sich selbst und ihren Körper zu akzeptieren.

Heute ist ein besonders heißer Tag und ich denke über die vielen jungen MädelsIMG_6953 und Frauen nach die gerade abwägen ob sie sich in ein Schwimmbad, an einen See oder den Pool wagen sollen. Mit der Frage im Kopf ob heute ein Tag ist an dem sie mit möglichem Spott, komischen Blicken oder verletzende Kommentaren umgehen können. Und das nur wegen eines zu großen Hinterns, Fett am Bauch, unreiner Haut, Cellulite oder anderen Dinge die man allgemein als unschön bezeichnet. Nur gut,  dass man Dinge wie einen hässlichen Charakter, rassistische oder politische Einstellungen, den Hang zu Mobbing oder Sexismus nur schwer äußerlich erkennen kann – sonst wären wohl alle Schwimmbäder wie leer gefegt.

FullSizeRenderIch will damit sagen: Es wird nicht einfacher, weder mit zunehmendem Alter noch in der heutigen Zeit in der Meinungen und Eindrücke sich so unendlich schnell verbreiten. Umso mehr geht es meiner Meinung nach darum, Menschen im Leben zu haben die mich lieben, respektieren und schätzen, genauso wie ich bin. Wie ich aussehe. In diesem Sinne finde ich auch, dass Menschen die andere abschätzig und respektlos behandeln, viel öfter den realen oder virtuellen Mittelfinger zu sehen bekommen sollten.

Ich habe in den hellrosa Lackschuhe übrigens durchgehalten. Mit dem ersten Schritt aus der Schule hab ich sie allerdings doch lieber in die Ecke gepfeffert und den Rest des Tages in meinen weißen Rüschensöckchen verbracht. Danach habe ich sie nie wieder angezogen und auch nie wieder gesehen. Ich bin sicher, meine Mutter hat sie irgendwann mit einem Augenrollen verschwinden lassen. #goodoldtimes

 

Sich und andere Menschen in seinem Leben so zu akzeptieren wie sie sind fordert manchmal Mut, ist aber definitiv immer die richtige Wahl. Mehr Infos dazu gibt es auch auf www.get-social.at  Denn nicht vergessen: #welovepeople